[Blaun] ha anticipato, con un contributo su Felix Mitterer, la pubblicazione nel Wochenmagazin ”ff” di una lunga intervista al noto autore tirolese; di questo sono profondamente onorato. A costo di apparire ripetitivo, ritengo opportuno completare l’excursus su vita e opere di Mitterer, postando la versione integrale dell’articolo.

DIE MITTERER SAGA - FF 07/2008 - 14.02.2008
Interview: Der Tiroler Autor Felix Mitterer über die Faszination Südtirol, den Problembären Bruno, Andreas Hofer und die Russen. Ein Gespräch zum 60. Geburtstag.
ff: Herzlichen Glückwunsch! Sind Sie erschrocken, schon 60 Jahre auf dem Buckel zu haben? Mitterer: Erschrocken nicht. Ich habe mich nur gewundert, wie schnell die Zeit vergangen ist. An und für sich bin ich aber sehr erfreut darüber. Es schafft ja nicht jeder bis 60. Ich lebe nämlich nicht sehr gesund: Ich rauche ordentlich, trinke gern Wein, betreibe keinen Sport, sitze herum und arbeite die Nächte durch. Da darf ich wohl stolz sein auf mich, oder besser - auf meinen Körper.
ff: Sie sagen Irland jetzt Ade. Es heißt, Sie würden nach Südtirol ziehen. Wird der Mitterer ein Südtiroler? Mitterer: Das weiß ich nicht. Ich bin nämlich leicht erschrocken: Ich habe mich in den vergangenen eineinhalb Jahren bei euch umgeschaut und die Erfahrung gemacht, dass dort, wo es wärmer ist und eine Weinrebe wächst, die Immobilien fast unbezahlbar sind. Jedenfalls suchen meine Frau und ich nach zwölf Jahren Irland, Wind und Feuchtigkeit etwas Wärmeres.
ff: Die rasante Urbanisierung der Südtiroler Landschaft schreckt sie nicht? Mitterer: Die haben wir jetzt in Irland in viel grauenvolierer Version. Ihr habt wenigstens eine Architekturtradition. In Irland wird zubetoniert.
ff: Nun hat Ihre Rückkehr nicht nur mit feuchten Knochen zu tun. Haben Sie als Schriftsteller das Umfeld in der Sprache vermisst, in der Sie schreiben? Mitterer: Ich habe eines Tages begonnen, englisch zu denken, mir sind deutsche Wörter nicht mehr eingefallen. Da hab ich das Englische sein lassen. Ich kann bis heute nicht gscheit’ Englisch.
ff: Sie haben noch nie so viel geschrieben wie während ihrer Irland-Jahre. Mitterer: Es gibt da auf dem Lande so gue wie nichts: kein Kaffeehaus, Kino oder Theater. Keine Versuchung also.
ff: In der Einsamkeit hat Sie der Problembär Bruno ,,aufgestöbert”. F.X. Schwarzenberger verfilmt eine TV Komödie, die Sie rund um diesen Bären geschrieben haben. Warum das? Mitterer: Ein Stoff, der an sich wunderbar zur Komödie taugt. lch habe mich bei der Geschichte eng an die Fakten gehalten. Und so kommt der bayrische Ministerpräsident vor, der Nordtiroler Landeshauptmann, sein Agrarlandesrat und dessen Bruder, der Landesjägermeister.
,,Andreas Hofer hat mich tief gerührt.”
,,Die Südtiroler waren immer schon begabter als die Nordtiroler.”
ff: Nächstes Jahr steht das Gedenkjahr an… Mitterer: Na, mein Gott…
ff: Sie haben sich über Jahre mit dem Freiheitshelden beschäftigt. Gibt es an dieser Figur noch was zu entdecken? Mitterer: Hofer ist eine interessante Figur, und die Situation zu seiner Zeit in Tirol ist spannend. Ich habe meinen Beitrag zu Hofer im Jahr 2001 abgeliefert, indem ich das Drehbuch zum Spielfilm ,,Die Freiheit des Adlers” gemacht habe.
ff: Sie haben Hofer im Film entschärft. Wird der Blick aus der Ferne milder? Mitterer: Ja, durchaus. Nach Jahren der Recherche hat mich der Mann am Ende angerührt. Auch weil er von allen furchtbar missbraucht wurde, vor allem vom Kaiserhof. Wenn man die Geschichte von seinem Tod her betrachtet, seinen Abschiedsbrief dann ist er mir nahegekommen. Sein Schreiben ist einer der schönste Abschiedsbriefe, die jemals geschrieben wurden.
ff: Sie haben sich viel mit Südtirol und seiner Geschichte auseinandergesetzt. Warum? Mitterer: Der Film über die Optionszeit, ,,Verkaufte Heimat”, dann der Hofer-Film, die Oper über Oswald von Wolkenstein - ich staune selber, was da entstanden ist, Geschichte ist nun mal spannend: Ich kann viel aus ihr lernen. Und dann bekomme ich auch noch Geld dafür. Es kann wohl kein Zufall sein: Die Südtiroler waren immer schon begabter als die Nordtiroler, und zwar in jeder Hinsicht. Künstler, Schriftsteller, ungewöhnliche Persönlichkeiten gibt es nun mal mehr in Südtirol. Vielleicht hat es ja mit dem Wein zu run, dass die großen Persönlichkeiten aus Südtirol stammen.
ff: Ihre legendäre Tourismus-Satire, die ,,Piefke-Saga”, erhält mit der ,,Russen-Saga” eine Fortsetzung: Flicken Sie jetzt den Russen am Zeug? Mitterer: 20 Jahre nach der ,,Piefke-Saga” finde ich die Fortsetzung mit denselben Akteuren von damals spannend: Es hat mich interessiert zu schauen, was aus den Figuren geworden ist. Ich war im Paznauntal und habe gesehen, wie es zugeht: Die deutschen Gäste sind stockbeleidigt, weil die neureichen Russen daherkommen und sich die Aufmerksamkeit nun ihnen zuwendet - genug Stoff für eine Komödie.
ff: Wie kann man sich denn den Felix Mitterer recherchierend im Paznauntal vorstellen? Er mietet sich in einem Nobelhotel ein und zückt den Notizblock? Mitterer: Das läuft ganz anders. Der große Vorteil ist, dass man mich in Tiroler Tourismuskreisen kennt. Seit Jahren schon werden ich angesprochen: ,,Felix, du musst etwas über die Russen schreiben!”. Man gibt mir freudig Auskunft. Die Recherchen waren viel einfacher geworden als in den 1980er-Jahren fui die ,,Piefke-Saga”.
ff: Weniger lustig dürfte es im ,,Patriot” zugehen, wo Sie die Geschichte des Briefbombenattentäters Franz Fuchs aufarbeiten. lst Ihnen der dauernde Genre- und Themenwechsel eine schriftstellerische Notwendigkeit? Mitterer: Ja mei, ich mache halt viel, und der Stoff sucht sich die Form. Was heißt Notwendigkeit? Das Spannende sind die Menschen, ist diese Persönlichkeit von einem Fuchs: Wie kommt ein Mensch dazu, anderen eine Bombe ins Haus zu schicken? Zum anderen ist auch die politische Situation an sich sehr interessant, in der so etwas passiert. An dieser Situation hat sich bis heute nicht viel geändert, im Gegenteil, sie hai sich verschärft. lnsofern bin ich froh, dass ich dieses Stück geschrieben habe und dass es noch heuer in Wien aufgeführt wird.
ff: Manches, was von Ihren Werken als Klassiker gilt, hat als Skandal begonnen; ,,Kein Platz für Idioten”, ,,Stigma”, die ,,Piefke-Saga”… Mitterer: Skandale habe ich nie beabsichtigt. Ein Stoff kommt auf mich zu und beschäftigt mich; ich denke nicht daran, was einmal daraus entstehen könnte. Bei ,,Stigma” hätte ich mir nie trumen lassen, dass es so viel Diskussion auslöst. Vielleicht war ich zu naiv. Aber natürlich: Was kann sich ein Autor mehr wünschen, als dass seine Werke zur Diskussion anregen?
ff: Schriftsteller haben oft Angst vor dem weißen Blatt. Sie auch? Mitterer: Ja. Das ist entsetzlich. Am Anfang ist es ganz furchtbar, vor allem bei größeren Geschichten. Jetzt weiß ich aber, dass es vorbeigeht. Natürlich kommt irgendwann wieder ein toter Punkt, wo ich mir denke, das funktioniert alles nicht, wo ich das Gefühl habe, ich kann immer noch nicht schreiben oder ich kann es nicht mehr. Irgendwann beginnt sich eine Geschichte aber selber zu schreiben und beginnt ein Eigenleben. Dann wird es spannend.
ff: Als Moralist wollten Sie nie bezeichnet werden. Obwohl die Moral bei Ihnen ein wiederkehrendes Thema ist. Mitterer: Ja, aber ich möchte nicht klüger, besser und moralischer sein als der Zuschauer. Ich habe das Bedürfnis, ein Thema so spannend zu verpacken, ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben. Wenn ich es doch tue, ist es mir fürchterlich unangenehm.
ff: Sind Sie sentimental? Mitterer: Das wird mir oft vorgeworfen. Aber es kann nun mal nicht alles nur über den Kopf laufen. lch habe nicht nur ein intellektuelles Publikum, und darüber bin ich auch sehr glücklich.
ff: Was ist aus dem Schauspieler Felix Mitterer geworden, der 1978 in Lana die Hauptrolle in ,,Kein Platz für Idioten” spielte? Mitterer: Ich bin draufgekommen, dass ich wenn ich weiter hätte schaupielern wollen, eine Ausbildung gebraucht hätte. Ich habe sehr schnell gemerkt, dass die Profischauspieler unendlich schneller dort waren, wo sie hin wollten. lch aber musste mich richtig abmühen. Als man mich nach Hamburg eingeladen hat, den Ibsen zu spielen, musste ich aber schon sagen: Entschuldigt Leute, aber ich kann ja nicht einmal Hochdeutsch sprechen.
Interview: Markus Larcher.
Zu Person. Felix Mitterer ist heute einer der meistgespielten deutschsprachigen Dramatiker. Am 6. Februar 1948 in Achenkirch in Tirol geboren, besuchte er die Lehrerbildungsanstalt in Innsbruck und arbeitete beim Zollamt. 1977 machte er sich als Autor selbstständig und debütierte mit dem Theaterstück ,,Kein Platz für Idioten“. Das Stück über die Ausgrenzung von Behinderten sorgte für einen handfesten Skandal. Es folgten zahlreiche Theaterstücke und Arbeiten als Drehbuchautor, unter anderen für Filme wie ,,Die verkaufte Heimat”, die Tourismus-Satire ,,Die Piefke-Saga” oder für die TV-Reihe ,,Tatort”. Mitterer, den eine breite Themen- und Genrepalette auszeichnet, hat auch die Vorlage zu Musiktheaterstücken und die Oper ,,Oswald von Wolkenstemn“ geschrieben. Mit Preisen überhäuft, steht der Autor in der Tradition der Volkstheaters. Bevorzugt greift er Themen auf, die mit seiner Heimat und ihren Bewohnern zu tun haben. 1995 zog Mitterer nach Irland - und kehrt jetzt wieder, ,,nach viel Wind und Feuchtigkeit’ zurück. 2010 soll es eine Fortsetzung seiner ,,Piefke-Saga” geben, diesmal mit Hauptaugenmerk auf die Russen.